RIEHEN, 2. FEBRUAR 2016

«Wir haben einen bereichernden, frohen, aber auch gefühlsmässig bewegenden Mittag und Nachmittag miteinander verbracht.»

Wir haben Familie M. getroffen, am vergangenen Samstag. Es ist ein kleines emotionales Wagnis, das beide Seiten mit der Einladung und ihrer Annahme eingehen: Man muss sich auf komplett Fremde einlassen, mit denen einen nichts verbindet ausser dem Wunsch, mehr zu erfahren von der Welt.  Der Telefonkontakt ist aufgrund der Fremdheit der Situation und der Andersartigkeit der jeweiligen Sprache nicht ganz einfach. Der Besuch dann schon.

Wir haben einen bereichernden, frohen, aber auch gefühlsmässig bewegenden Mittag und Nachmittag miteinander verbracht.

Wenn ich an meine Heimatstadt denke, treten mir nicht die Tränen in die Augen - ich kann ja immer hinfahren! Wenn ich an meine Eltern denke, fehlt mir nichts, ich kann sie ja immer sehen! Das ist bei Flüchtlingsfamilien anders. Die Trauer darüber hautnah zu erleben, beschämt, weil es einem den eigenen Reichtum vor Augen führt, nicht den finanziellen, den emotionalen.

Unsere Gäste waren mitteilsam, selbst anteilnehmend, interessiert, freundlich, humorvoll. Die Kinder haben sich auf Anhieb gut verstanden, die Eltern auch.

Wir haben uns beim Kochen Mühe gegeben, aber es nicht übertrieben. Schön ist es dann, wenn Gäste nicht nur im Essen stochern, sondern zulangen.  Als der kleine Sohn der Familie mit dem Salatschüsselchen vor dem Latz in die Küche kam, mich mit grossen Augen ansah und sehr ernsthaft sagte: „Das schmeckt gut!“, da war es eine Freude. Wir möchten die Familie gerne wiedersehen. Vielleicht in ihrer neuen Wohnung, wenn sie beim Flüchtlingsheim ausziehen.

Die eigene Behausung bekommt damit eine andere Bedeutung. Oder wir treffen uns einfach im Park. Die nächste Verabredung miteinander lässt sich jetzt leicht machen. Wir wissen ja, wer am anderen Ende des Telefons ist. Mit bestem Gruss und Dank für Ihre schöne Idee der Zusammenführung von Menschen.